Meister Eckharts Mystische Schriften: In Unsere Sprache Übertragen von Gustav Landauer. 294. Von der Ueberfreude.
Open in the readerWare weder Holle noch Himmelreich, dennoch wollte ich Gott, susser Vater, dich und deine hohe Natur lieben, worin die Dreiheit in der Einheit steht. Seht, jetzt mogt ihr gerne horen von all dem Heimlichen der hohen Natur der Dreieinigkeit. Die Personen sind Gott in ihrer Personlichkeit, Gottheit gemass der Natur in der Einheit. Seht, jetzt mogt ihr horen, was Gott und Gottheit ist. Das ist ein Unterschied; den gewahrt meine Seele am Widerschein der hohen Einheit. Die leuchtet in ihr eigenes Wesen ganz ohne Unters. chiedenheit. Darin hat sie all ihre Einheit verschlossen und doch mit Unterscheidung der hohen Personlichkeit. Der Fluss ist ursprunglich, in dem die Einheit lebt; das einig Eine, das in sich selbst in dunkler Stille schwebt, ist ohne ein Bedurfen. Niemand kann es verstehn, doch in seiner Selbstheit ist es offenbar. Das Licht ist das erste in der Ursprunglichkeit, das den Geist hinausfuhrt aus seinem Wesen in die Verborgenheit, allbleibend, eingezogen, in die Dunkelheit versunken. Allda wird er verlocket, allda wird er des Lichtes Dunkelheit entkleidet, allda verliert er beide in der Abgrundlichkeit, allda wird das verborgene Wesen, der Geist, in der Einheit entfremdet, und doch ist's sein Leben.
O grundlos tiefer Abgrund, in deiner Tiefe bist du hoch, in deiner Hohe tief! Wie kann das sein? Das ist uns im Abgrund deiner Tiefe verborgen. Doch sagt Sankt Paulus, es soll uns klar werden. In dieser Klarheit ist der Geist uber seine Selbstheit, ihn hat die Dreieinigkeit an sich gezogen. Da stirbt der Geist allsterbend im Wunder der Gottheit, denn er hat in der Einheit keine Unterschiedenheit; das Personliche verliert seinen Namen in der Einheit. Wo der Geist in der Einheit auf nichts beruht, da verliert er in gottlicher Art jedes Mittel. Des Lichts wie der Dunkelheit ist er entledigt, der Materie wie der Form. Ein Funklein, so nackt, wie es geschaffen ist, ein Nichts von seinem Nichts, das wird vom Etwas seines Nichts eingezogen. Eben das Nichts ist Nacktheit im Wesen der Person, das den Geist wegfuhrt und in die Einheit schweben lasst. In dem Unbegreifen der hohen Einheit, die alle Dinge ausser sich in ihrer Selbstheit vernichtet, ist Eins ohne Unterschiedenheit, und doch ein Etwas, das aus ihrer Selbstheit geschaffen ist. Dieses Eine, das ich hier meine, ist wortlos. Eins und Eins vereint leuchtet da nackt in nackt. Wo die zwei Abgrunde in einer Gleichheit schweben, gegeistet und entgeistet, da ist ein hohes Wesen; wo sich Gott entgeistet, da ist Dunkelheit in einer unerkannten bekannten Einheit Das ist uns verborgen in der Tiefe seiner Stille. Alle Kreaturen ergrunden nicht das Etwas.
Dass wir uns selbst entsinken, dess freuen wir uns heute,
Und danach sollt ihr trachten immerdar, ihr Leute,
Und in das Hochste eilen, das ist die Ueberfreude.